Arbeitszeugnis Schweiz — Codes verstehen & richtig lesen

Arbeitszeugnis-Codes in der Schweiz entschlüsselt: Was die Formulierungen wirklich bedeuten, wie du ein schlechtes Zeugnis erkennst und was du dagegen tun kannst.

5. март 2026.
7 Min.
BewerbungsApp Team

Warum das Arbeitszeugnis so wichtig ist

In der Schweiz ist das Arbeitszeugnis ein zentrales Dokument im Bewerbungsdossier. Arbeitgeber lesen es genau — oft genauer als dein Motivationsschreiben. Denn das Zeugnis kommt vom ehemaligen Chef, nicht von dir selbst.

Gemäss Art. 330a OR hat jeder Arbeitnehmer in der Schweiz Anrecht auf ein Arbeitszeugnis — jederzeit, auch während des Arbeitsverhältnisses (Zwischenzeugnis).

Aufbau eines Arbeitszeugnisses

Ein vollständiges Arbeitszeugnis enthält:

  1. Einleitung — Name, Funktion, Anstellungsdauer
  2. Aufgabenbeschreibung — Was hast du gemacht?
  3. Leistungsbeurteilung — Wie gut hast du es gemacht?
  4. Verhaltensbeurteilung — Wie war der Umgang mit Kollegen/Vorgesetzten?
  5. Schlussformel — Grund des Austritts, Dank, Zukunftswünsche

Die Zeugnis-Codes — was sie wirklich bedeuten

Schweizer Arbeitszeugnisse müssen wohlwollend formuliert sein, aber auch wahrheitsgemäss. Daraus entstand eine Codiersprache:

Leistungsbeurteilung (Schulnoten-System)

| Formulierung | Note | Bedeutung |

|---|---|---|

| "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" | 6 | Hervorragend |

| "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" | 5 | Sehr gut |

| "zu unserer vollen Zufriedenheit" | 4 | Gut |

| "zu unserer Zufriedenheit" | 3 | Genügend |

| "im Grossen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" | 2 | Mangelhaft |

| "hat sich bemüht" | 1 | Ungenügend |

Achtung: Der Unterschied zwischen "vollsten" und "vollen" oder das Fehlen von "stets" macht eine ganze Note aus!

Verhaltensbeurteilung

  • "war bei Vorgesetzten und Kollegen gleichermassen beliebt" → Sehr gut
  • "war bei Kollegen beliebt" → Probleme mit Vorgesetzten (Vorgesetzte fehlen!)
  • "war bei Vorgesetzten beliebt" → Probleme mit Kollegen
  • "war stets um ein gutes Verhältnis bemüht" → Hatte Schwierigkeiten

Versteckte Warnungen

  • "war gesellig" → Alkoholproblem möglich
  • "zeigte Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft" → Hatte Affären
  • "verstand es, Aufgaben zu delegieren" → Hat selbst wenig gearbeitet
  • "war pünktlich" → Sonst nichts Positives zu sagen
  • "trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei" → War der Pausenclown

Schlussformel

  • "Wir bedauern seinen Weggang" → Gut (aufrichtig)
  • "Wir wünschen ihm alles Gute" → Standard
  • "Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute" → Er braucht es (negativ)
  • Fehlende Schlussformel → Schlechtes Zeichen

Was tun bei einem schlechten Zeugnis?

  1. Ansprechen: Bitte den Arbeitgeber um Korrektur — oft werden Formulierungen unbewusst gewählt
  2. Schriftlich reklamieren: Konkret benennen, welche Stellen geändert werden sollen
  3. Mediation: Bei Uneinigkeit kann eine Schlichtungsstelle helfen
  4. Rechtlich vorgehen: Klagefrist beachten (innert 10 Jahren ab Ausstellung)

Tipps

  • Verlange bei jedem Stellenwechsel ein vollständiges Arbeitszeugnis (nicht nur eine Arbeitsbestätigung)
  • Prüfe jedes Zeugnis sofort nach Erhalt auf versteckte Codes
  • Scanne deine Zeugnisse digital — mit dem Handy fotografieren reicht (z.B. mit JobHani)
  • Lege alle Zeugnisse deiner Bewerbung bei — fehlende Zeugnisse wirken verdächtig

Fazit

Arbeitszeugnisse in der Schweiz sind voller Codes. Wenn du weisst, worauf du achten musst, kannst du schlechte Formulierungen erkennen und korrigieren lassen — bevor sie dir bei der nächsten Bewerbung schaden.

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